Nikkô, Abschluß
Nach dem Tempel- und Schreinbezirk war der Tag noch nicht zu Ende. Da ich ziemlich früh aufgestanden war und der Strom von Menschen und die Tatsache, dass es ja letztlich doch keine Museen sind, dafür sorgen, dass man erstaunlich schnell durch das Weltkulturerbe durch ist, während der Tee aus den überall vorhandenen Automaten (die ich übrigens in Deutschland sehr vermisst habe) jeglicher Erschöpfung vorbeugt, habe ich also noch zwei weitere Sehenswürdigkeiten abgeklappert: Die Ganman-ga-fuchi-“Schlucht“ und die Tamozawa-Villa, die der kaiserlichen Familie gehört und in der der Shôwa Tennô den zweiten Weltkrieg verbracht hat.

Wie schon im Sankei-en, ist dieses Gebäude nicht original hier erbaut worden. Zusätzlich ist es gar kein einzelnes Gebäude, sondern wurde, wie man auf obigem Bild fast erahnen kann, aus zwei Gebäuden zusammengesetzt, die unabhänging voneinander erbaut und dem Kaiser zu unterschiedlichen Zeiten geschenkt wurden, und zwar mit solchen Steckverbindungen:

Woran man noch sehen kann, dass das Haus nicht von der kaiserlichen Familie erbaut wurde, ist dies hier:

Das ist ein Metallbeschlag aus dem Haus, und wenn man mal über das verschwommene Foto hinweg sieht (ging nicht besser, war durch dickes Glas…), kann man sehen, dass das obere Teil, der ursprüngliche Beschlag, das Drei-Malvenblätter-Wappen der Tokugawa trägt. Der Knopf darunter ist über dem Wappen angebracht gewesen, um es zu verdecken – und trägt das kaiserliche Chrysanthemensiegel.


Das Audienzzimmer. Die Mischung aus Westen und Tradition sitzt ästhetisch noch nicht so richtig…

Eine Tür. Warum auch nicht. Mit im Bild: Ein Meisterwerk traditioneller Tuschmalerei. Im einen Flügel ist jede verdammte Tür mit einem solchen Werk versehen. Grr.

Meine ersten Steingärten. Die Ästhetik dieser hier hat mich ehrlich gesagt mehr beeindruckt als die der berühmtesten Gärten in Kyôto.


Hier drunter liegt der kaiserliche Luftschutzbunker. Kein Witz.
Mein Letztes Ziel in Nikkô war die Ganman-ga-fuchi-“Schlucht“. Schlucht, weil ‘Fuchi’ schlucht bedeutet, und „Schlucht“, weil es eher ein leichter Einschnitt ins Gestein ist.
Das besondere sind aber sowieso hier nicht die nichtvorhandenen Abgründe, sondern die sehr wohl vorhandenen Jizô-Statuen, die ihre eine Seite säumen.

Es sind viele.

Wie viele es genau sind, weiß keiner. Die Legende besagt nämlich, dass man, wenn man in eine Richtung zählenderweise geht, man nach den ca. 20 Minuten, die dieser Spaziergang dauert, zu einem anderen Ergebnis kommt als wenn man in der anderen Richtung zählt. Deshalb gelten die Jizôs als unzählbar. Ziemlich in der Mitte gibt es daher den Bake-Jizô oder Gespenster-Jizô, der mit einem spitzbübischem Lächeln und einem Schriftzeichen für „unnütz, vergeblich“ auf dem Gewand den Zählenden zum Besten hält. Das Foto von ihm ist – passenderweise – auch dem Datenlochfraß zum Opfer gefallen…
Die Schluchtheit des Ortes beschränkt sich aber auf so was hier:

Schön, ja. Aber Schlucht? Naja, eich Schlüchtelchen.
Auf dem Rückweg in die Stadt dann gelang es mir erfolgreich, mich komplett im Wald zu verlaufen. Das war zwar blöd, weil ich so langsam doch recht hungrig und müde war, aber andererseits wieder gut, weil ich dabei durch Zufall auf einen Friedhof stieß, der mir 1. durch seinen Anfahrtsweg den Weg zurück in die Stadt wies, und 2. noch für ein paar sehr schöne Fotos gut war. Und damit: Schluss für heute.
